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Wir sind nicht allein - die Welt da draußen

Wir sind nicht allein - die Welt da draußen

Lerninhalt

  • Wie kann ich darstellen, dass mein Prozess mit "der Welt da draußen" verflochten ist?
  • Was ist der zentrale Unterschied zwischen "internen" und "externen" Prozessteilen?
  • Was sind "Schnittstellen" bei der Prozessgestaltung und wie bin ich von diesen abhängig?

Beispiel-Sachverhalt

  • Ein Versandhändler liefert Waren auf Bestellung an Kunden aus.
  • Kunden bestellen die Ware dazu beim Versandhändler.
  • Die gesamte Bestellung wird in der Abteilung "Bestellabwicklung" durchgeführt.
  • Der Versandhändler erfasst wichtige Bestelldaten in der EDV.
  • Der Versandhändler beauftragt dann ein Logistikunternehmen, das den gesamten Materialfluss bis zum Kunden abwickelt.
  • Das Logistikunternehmen meldet sich beim Versandhändler, wenn die Ware zugestellt worden ist.
  • Der Versandhändler sendet dann eine Bewertungsaufforderung an den Kunden, damit dieser seinen Bestellvorgang bewerten kann.
  • Danach ist der Prozess aus Sicht des Versandhändlers abgeschlossen. Die Erfassung und Auswertung von Bewertungen finden im Rahmen von anderen Prozessen außerhalb der Bestellabwicklung statt.

Umsetzung

Prozess: Bestellung abwickeln

  • Der Prozess wird aus Sicht des Versandhändlers dargestellt. Es handelt sich sozusagen "um seinen Prozess".
  • Alle Aktivitäten des Versandhändlers befinden sich im Prozesspool "Bestellung abwickeln" in der Schwimmbahn "Bestellabwicklung".
  • Weitere Akteure werden mit sogenannten "geschlossenen Pools" abgebildet, in diesem Fall "Kunde" und "Logistikunternehmen".
  • Was genau innerhalb der geschlossenen Pools passiert ist nicht bekannt und nicht relevant, sie werden als "Black-Box" aufgefasst.
  • Innerhalb des Hauptpools werden ausschließlich die bereits bekannten Sequenzflüsse verwendet. Sie steuern die bekannten internen Prozessteile und kontrollieren diese.
  • Zwischen geschlossenen Pools (externe Prozessbeteiligte) und dem Hauptpool werden ausschließlich Nachrichtenflüsse eingesetzt. Diese verbinden die "innere Welt" mit der "äußeren Welt" an bestimmten Schnittstellen mit definierten Nachrichten.
  • An einem Nachrichtenfluss kann der Name der entsprechenden Nachricht notiert werden.
  • Sowohl der interne Prozessteil als auch die externen geschlossenen Pools müssen mit den Nachrichten an den definierten Stellen "umgehen können". Diese Schnittstellen definieren die Abhängigkeit zwischen den internen Prozessteilen und den externen Beteiligten. Was hingegen genau innerhalb der geschlossenen Pools zwischen den Nachrichten passiert, spielt für dem Versandhändler keine Rolle und gehört in die Prozessgestaltung und Umsetzung der externen Beteiligten.

Neue Elemente

SymbolElement

Geschlossener Pool

Mithilfe des geschlossenen Pools können externe Prozessbeteiligte dargestellt werden.

Der Name des Prozessbeteiligten wird in die Titelzeile des geschlossenen Pools geschrieben. Dies können z.B: externe Unternehmen, Organisationseinheiten oder EDV-Systeme sein.

Innerhalb der weißen Fläche werden keine Prozessinformationen hinterlegt, der Pool ist geschlossen und wird als "Black-Box" aufgefasst.

Mithilfe der geschlossenen Pools kann der Betrachter der Modelle direkt sehen, mit welchen Akteuren der relevante Prozessteil kommuniziert.

Externe Prozessbeteiligte entziehen sich in der Regel der Kontrolle über die konkrete Prozessausführung und Umsetzung. Wir können also von dem internen Prozess der externen Beteiligten, den wir entweder nicht kennen wollen, können oder müssen, abstrahieren. Lediglich beim Austausch von Nachrichten zwischen uns und den externen Beteiligten müssten alle Beteiligten diese Nachrichten verstehen und verarbeiten können.

Sofern die konkrete Prozessausführung bei den externen Beteiligten relevant ist und wir diese darstellen und ggf. verändern möchten, so müssen wir diese Prozessteile ebenfalls im internen Prozesspools in separaten Schwimmbahnen darstellen und mit Sequenzflüssen verbinden.

Nachrichtenereignisse

Ereignisse lassen sich mit einem Nachrichtensymbol versehen, um anzuzeigen, dass diese Nachrichten empfangen oder versenden.

Bei Nachrichtensymbolen gilt grundsätzlich:

  • ein ausgefülltes Symbol stellt eine gesendete Nachricht dar
  • ein nicht ausgefülltes Symbol stelle eine empfangende Nachricht dar

Startereignis (empfangend)

Startereignisse können nur Nachrichten empfangen und nicht senden. Das Startereignis löst die weitere Prozessbearbeitung aus, sobald die entsprechende eingehende Nachricht empfangen worden ist.

Zwischenereignis (empfangend und sendend)

Zwischenereignisse treten während der Prozessausführung auf, diese können sowohl Nachrichten empfangen als auch versenden.

Bei einem empfangenden Zwischenereignis wartet der Prozess solange an der entsprechenden Stelle, bis die erwartete Nachricht empfangen worden ist.

Bei einem sendenden Zwischenereignis wird die Nachricht versendet und der Prozess läuft dann weiter.

Endereignis (sendend)

Endereignisse können nur Nachrichten versenden und nicht empfangen. Das Endereignis sendet die entsprechende Nachricht und beendet dann den Prozess.

Nachrichtenfluss

Ein Nachrichtenfluss wird über eine gestrichelte Linie mit Kreis am Anfang und Pfeilkopf am Ende dargestellt.

Ein Nachrichtenfluss kommt immer dann zum Einsatz, wenn externe geschlossene Pools mit Elementen innerhalb eines Pools verbunden werden. Die Verwendung von Sequenzflüssen ist hierbei verboten.

Nachrichtenflüsse werden hierzu mit dem Rand des geschlossenen Pools und dem entsprechenden Element im Prozesspool verbunden.

Innerhalb eines Prozesspools dürfen die Elemente untereinander nicht mit Nachrichtenflüssen verbunden werden, dort müssen Sequenzflüsse verwendet werden.

Der Name der Nachricht sollte direkt an den Nachrichtenfluss geschrieben werden.

Zum nächsten Artikel der Einführungsreihe: Nicht alles auf einmal - Teilprozesse zum Durchatmen

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